Wärmepumpe nachrüsten: Warum alles an der Vorlauftemperatur hängt
Ob eine Wärmepumpe im Bestand funktioniert, entscheidet eine einzige Größe: die Vorlauftemperatur, die das Gebäude am kältesten Tag braucht. Liegt sie unter 55 Grad, arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wirtschaftlich. Liegt sie bei 65 Grad oder darüber, sinkt die Jahresarbeitszahl unter 3, und die Stromrechnung frisst den Vorteil auf. Die Nachrüstung kostet zwischen 20.000 und 35.000 Euro, von denen die Bundesförderung bis zu 70 Prozent trägt.

Wann lohnt sich das Nachrüsten einer Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe lohnt sich im Bestand, wenn das Gebäude am Auslegungstag mit höchstens 55 Grad Vorlauftemperatur auskommt, die Heizlast bekannt ist und ein Stellplatz für das Außengerät zur Verfügung steht. Gebäude ab Baujahr 1995 erfüllen diese Bedingungen meist ohne Zusatzmaßnahmen.
Der Zusammenhang ist physikalisch. Eine Wärmepumpe hebt Wärme von der Außenluft auf die Vorlauftemperatur, und je größer dieser Hub, desto mehr Strom kostet er. Bei 5 Grad Außentemperatur und 35 Grad Vorlauf beträgt der Hub 30 Kelvin, bei 65 Grad Vorlauf das Doppelte.
Aus diesem Hub folgt die Jahresarbeitszahl, also das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom. Eine gut ausgelegte Anlage erreicht 3,5 bis 4,5, eine schlecht ausgelegte 2,2 bis 2,8. Zwischen beiden Werten liegen bei gleichem Wärmebedarf mehrere Hundert Euro Stromkosten im Jahr.
Die Vorlauftemperatur ist damit der Prüfstein, und sie lässt sich ohne großen Aufwand ermitteln.
Wie wird die Eignung eines Altbaus geprüft?
Die Eignung wird über eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und einen Heizflächenabgleich geprüft. Praktisch genügt zunächst ein einfacher Test: Die Vorlauftemperatur der vorhandenen Heizung wird an einem kalten Tag schrittweise gesenkt, bis die Räume nicht mehr warm werden.
Der Test läuft über eine Heizperiode und kostet nichts. Stellen Sie die Vorlauftemperatur an einem Tag mit Außentemperaturen unter null Grad auf 55 Grad und beobachten Sie, ob alle Räume die gewünschte Temperatur erreichen. Gelingt das, ist die Grundbedingung erfüllt.
Die vollständige Heizlastberechnung durch einen Energieberater kostet 400 bis 900 Euro und ist Voraussetzung für die Förderung. Sie liefert die Heizlast in Kilowatt, die die Wärmepumpe abdecken muss, und weist raumweise aus, welche Heizkörper zu klein sind.
Der häufigste Befund betrifft einzelne Räume, nicht das ganze Haus. Oft reicht der Tausch von zwei bis vier Heizkörpern im Bad und in den Nordzimmern, statt das gesamte System umzubauen.
Welche Heizflächen dabei infrage kommen, hängt am verfügbaren Platz an der Wand.
Welche Heizkörper eignen sich für eine Wärmepumpe?
Für den Betrieb mit niedriger Vorlauftemperatur eignen sich Flächenheizungen und großflächige Niedertemperaturheizkörper. Ein Heizkörper muss bei 45 statt 70 Grad Vorlauf etwa die zwei- bis dreifache Fläche haben, um dieselbe Wärmeleistung abzugeben.
Drei Wege führen zum Ziel, und sie unterscheiden sich stark im Aufwand:
- Größere Plattenheizkörper: Austausch gegen Typ 33 statt Typ 22 bei gleicher Länge. Kosten 300 bis 600 Euro je Heizkörper inklusive Montage, kein Eingriff in den Estrich.
- Gebläsekonvektoren: Heizkörper mit leisem Ventilator, die bei 40 Grad Vorlauf die Leistung eines konventionellen Heizkörpers bei 70 Grad erreichen. Kosten 600 bis 1.200 Euro je Gerät, Stromanschluss nötig.
- Fußbodenheizung: Die effizienteste Lösung mit 30 bis 35 Grad Vorlauf, aber der größte Eingriff. Dünnschichtsysteme mit 15 bis 25 Millimetern Aufbauhöhe machen das auch im Bestand möglich.
Ein hydraulischer Abgleich gehört in jedem Fall dazu und ist Fördervoraussetzung. Ohne ihn werden die ersten Heizkörper im Strang überversorgt und die letzten unterversorgt, was die Vorlauftemperatur unnötig nach oben treibt.
Stehen Heizlast und Heizflächen fest, folgt die Kostenrechnung.
Was kostet das Nachrüsten einer Wärmepumpe?
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet im Bestand einschließlich Einbau zwischen 20.000 und 35.000 Euro. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonde liegt bei 30.000 bis 45.000 Euro, weil Bohrung und wasserrechtliche Erlaubnis hinzukommen.
Die Positionen verteilen sich bei einer Luft-Wasser-Anlage typischerweise so: 12.000 bis 18.000 Euro für Gerät und Speicher, 4.000 bis 8.000 Euro für Montage und Hydraulik, 1.500 bis 4.000 Euro für den Heizkörpertausch, 500 bis 1.500 Euro für Fundament und Schallschutz des Außengeräts.
Der Rückbau der alten Anlage kostet zusätzlich 800 bis 2.500 Euro, bei einem Öltank mit Stilllegung und Entsorgung auch mehr. Diese Position fehlt in Angeboten regelmäßig.
Rechenbeispiel
Einfamilienhaus von 1998, 150 Quadratmeter, Heizlast 9 Kilowatt, Vorlauftemperatur nach Heizkörpertausch 50 Grad. Der Wärmebedarf liegt bei rund 18.000 Kilowattstunden im Jahr. Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,6 werden 5.000 Kilowattstunden Strom benötigt, bei einem Wärmepumpentarif von 26 Cent also 1.300 Euro. Dieselbe Wärme über Erdgas bei 10,5 Cent kostet rund 2.100 Euro. Bei Investitionskosten von 28.000 Euro und 55 Prozent Förderung bleiben 12.600 Euro Eigenanteil, die sich bei 800 Euro jährlicher Ersparnis nach rund 16 Jahren amortisieren.
Die Förderung ist damit der Hebel, der über die Wirtschaftlichkeit entscheidet.
Welche Förderung gibt es für das Nachrüsten?
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude gewährt eine Grundförderung von 30 Prozent. Der Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent kommt hinzu, wenn eine mindestens 20 Jahre alte Gas- oder Ölheizung ersetzt wird, ein Effizienzbonus von 5 Prozent bei natürlichem Kältemittel.
Für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter 40.000 Euro kommt ein Einkommensbonus von 30 Prozent hinzu. Die Summe aller Boni ist auf 70 Prozent gedeckelt, die förderfähigen Kosten auf 30.000 Euro für die erste Wohneinheit.
Der Antrag wird über die KfW gestellt, und zwar nach Abschluss eines Liefer- oder Leistungsvertrags mit aufschiebender Bedingung, aber vor Beginn der Arbeiten. Diese Reihenfolge ist zwingend.
Viele Bundesländer und Kommunen fördern darüber mit eigenen Programmen. Diese lassen sich teilweise kombinieren, teilweise nicht, weshalb die Reihenfolge der Anträge vor dem ersten Schritt zu klären ist.
Wo die Voraussetzungen für eine reine Wärmepumpe nicht gegeben sind, bleibt eine Zwischenlösung.
Was ist eine Wärmepumpen-Hybridheizung?
Eine Hybridheizung kombiniert eine Wärmepumpe mit einem zweiten Wärmeerzeuger, meist dem vorhandenen Gas- oder Ölkessel. Die Wärmepumpe deckt den Grundbedarf bei milden Temperaturen, der Kessel springt an sehr kalten Tagen ein.
Der wirtschaftliche Reiz liegt in der Auslegung. Eine Wärmepumpe, die nur 70 Prozent der Heizlast abdecken muss, ist kleiner und günstiger, deckt aber trotzdem rund 90 Prozent der Jahresarbeit ab, weil die sehr kalten Tage selten sind.
Die Temperatur, bei der der zweite Erzeuger übernimmt, heißt Bivalenzpunkt. Wie er berechnet und eingestellt wird und welche Betriebsweisen es gibt, ist im Beitrag zum Bivalenzpunkt einer Wärmepumpe im Einzelnen beschrieben.
Förderrechtlich ist die Hybridlösung eingeschränkt. Eine Kombination mit einem neuen fossilen Kessel wird nicht gefördert, der Weiterbetrieb eines vorhandenen Kessels als Spitzenlastdecker dagegen schon.
Welche Voraussetzungen muss das Grundstück erfüllen?
Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht das Außengerät einen Stellplatz mit Mindestabständen zur Nachbargrenze, die je nach Landesbauordnung zwischen 2,5 und 3 Metern liegen. Maßgeblich ist der nächtliche Schallpegel, der an der Grundstücksgrenze meist 35 Dezibel nicht überschreiten darf.
Die Schallfrage wird regelmäßig unterschätzt und ist der häufigste Grund für Nachbarschaftsstreit. Moderne Geräte erreichen im Nachtbetrieb 30 bis 42 Dezibel in einem Meter Abstand, und mit jedem Meter Entfernung sinkt der Wert um rund 6 Dezibel.
Eine Aufstellung vor Schlafzimmerfenstern, in engen Innenhöfen oder zwischen zwei Hauswänden verstärkt den Schall durch Reflexion. Ein Schallschutzgehäuse kostet 800 bis 2.000 Euro und senkt den Pegel um 5 bis 10 Dezibel.
Für Sole-Wasser-Anlagen kommt eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde hinzu, die in Wasserschutzgebieten regelmäßig versagt wird. Klären Sie diesen Punkt vor jeder Planung, weil er das gesamte Vorhaben kippen kann.
Welche Vorteile eine Wärmepumpe gegenüber fossilen Systemen im laufenden Betrieb bringt und wo ihre Grenzen liegen, zeigt der Beitrag zu den Stärken und Schwächen der Wärmepumpe.