Garten planen: Warum jeder Garten zweimal gebaut wird

Ein Garten wird zweimal gebaut: einmal auf Papier und einmal im Boden. Wer diese Reihenfolge umkehrt, gräbt den fertigen Rasen wieder auf, um das Leerrohr für die Terrassenbeleuchtung zu verlegen. Die Planung kostet ein bis zwei Wochenenden und einen Maßstabsplan, die nachträgliche Korrektur einer falsch gesetzten Leitung dagegen schnell 800 bis 2.000 Euro. Vor dem ersten Spatenstich stehen deshalb Bestandsaufnahme, Bodenprobe und der Plan für Wasser, Strom und Wege.

Gartenplan mit Zeichnung und Maßband

Womit beginnt die Gartenplanung?

Die Planung beginnt mit einer maßstäblichen Bestandsaufnahme des Grundstücks. Aufgenommen werden Grenzen, Gebäude, vorhandene Bäume mit Kronendurchmesser, Leitungstrassen, Himmelsrichtung, Gefälle und die Schattenwürfe über den Tagesverlauf.

Der Maßstab 1 zu 100 hat sich bewährt, weil darin ein Meter einem Zentimeter entspricht und die Fläche eines durchschnittlichen Grundstücks auf ein Blatt im Format A3 passt. Auf Karopapier lässt sich das ohne Zeichenprogramm erstellen.

Die Schattenaufnahme wird regelmäßig ausgelassen und ist der wichtigste Einzelwert. Notieren Sie an einem sonnigen Tag zu drei Zeitpunkten, welche Flächen in der Sonne liegen, und zwar morgens, mittags und am späten Nachmittag. Die Pflanzenauswahl hängt vollständig daran.

Vorhandene Bäume werden mit ihrem Kronendurchmesser eingetragen, nicht mit dem Stammdurchmesser. Unter einer Krone von sechs Metern gedeihen weder Rasen noch Gemüse, und dieser Bereich ist damit für die Nutzung verloren.

Aus der Bestandsaufnahme folgt die zweite Grundlage.

Warum gehört die Bodenprobe an den Anfang?

Der Boden bestimmt, welche Pflanzen gedeihen, wie viel gedüngt werden muss und ob eine Entwässerung nötig ist. Eine Bodenanalyse durch ein Labor kostet 25 bis 60 Euro und liefert pH-Wert, Nährstoffgehalt und Humusanteil.

Die Bodenart lässt sich zusätzlich ohne Labor bestimmen. Feuchte Erde in der Hand zu einer Wurst rollen: Zerfällt sie sofort, ist es Sand. Lässt sie sich zu einem Ring biegen, ist es Ton. Bleibt sie formbar, aber bricht beim Biegen, ist es Lehm.

Der pH-Wert entscheidet über die Verfügbarkeit der Nährstoffe. Zwischen 5,5 und 7,0 liegt der Bereich, in dem die meisten Gartenpflanzen ihre Nährstoffe aufnehmen können. Darunter und darüber sind Stickstoff, Phosphor und Kalium zwar vorhanden, aber für die Wurzel nicht erreichbar.

Staunässe ist der zweite Befund, auf den zu achten ist. Graben Sie ein Loch von 40 Zentimetern Tiefe und füllen Sie es mit Wasser. Steht das Wasser nach zwölf Stunden noch darin, braucht die Fläche eine Drainage, bevor irgendetwas gepflanzt wird.

Mit Bestand und Boden lässt sich die Fläche aufteilen.

Wie wird der Garten in Zonen aufgeteilt?

Der Garten wird nach Nutzung in Zonen gegliedert: Aufenthalt, Bewegung, Anbau, Technik und Sichtschutz. Als Orientierung gilt, dass die Aufenthaltsfläche in der Nähe des Hauses liegt, Anbauflächen die sonnigsten Bereiche bekommen und Technikflächen an den Rand rücken.

Fünf Zonen decken die meisten Grundstücke ab, und ihre Lage folgt jeweils einem sachlichen Grund:

  • Terrasse und Aufenthalt: Direkt am Haus, Richtung Süden bis Westen für Abendsonne. Als Faustwert 20 bis 25 Quadratmeter für vier Personen.
  • Rasen und Bewegungsfläche: Zusammenhängend und möglichst rechteckig, weil verwinkelte Rasenflächen den Mähaufwand um ein Vielfaches erhöhen.
  • Anbau und Beete: Die sonnigsten Flächen mit mindestens sechs Stunden direkter Sonne, mit kurzem Weg zum Wasseranschluss.
  • Technik und Vorrat: Geräteschuppen, Komposter, Regentonne und Mülltonnen an einer Stelle bündeln, möglichst mit befestigter Zufahrt.
  • Sichtschutz und Randbepflanzung: Entlang der Grenzen, unter Beachtung der Grenzabstände für Gehölze nach dem Nachbarrechtsgesetz des Bundeslands.

Die Grenzabstände sind der Punkt mit dem größten Streitpotenzial. Je nach Bundesland gelten für Hecken unter 2 Metern Höhe Abstände von 0,25 bis 0,50 Metern, für höhere Gehölze 1 bis 3 Meter.

Bevor eine Zone Form annimmt, gehören die Leitungen in den Boden.

Welche Leitungen müssen vor dem Bau verlegt werden?

Verlegt werden Stromleitungen für Beleuchtung und Geräteschuppen, Wasserleitungen für Zapfstellen und Bewässerung sowie Leerrohre für spätere Nachrüstungen. Die Verlegetiefe beträgt für Strom 60 bis 80 Zentimeter, für frostsichere Wasserleitungen 80 bis 100 Zentimeter.

Leerrohre sind die günstigste Versicherung der gesamten Planung. Ein zusätzliches Leerrohr von 25 Millimetern kostet je Meter weniger als einen Euro und erspart später einen Graben quer durch den fertigen Rasen.

Strom für eine Gartensauna, eine Poolpumpe oder eine Außensteckdose braucht eine eigene Zuleitung mit passendem Querschnitt. Was nachträglich verlegt wird, kostet ein Vielfaches, weil Wege, Rasen und Beete geöffnet werden müssen.

Zeichnen Sie jede verlegte Leitung mit Abstandsmaßen zu zwei festen Punkten in den Plan ein und fotografieren Sie den offenen Graben. In zehn Jahren ist das die einzige verlässliche Information darüber, wo gegraben werden darf.

Rechenbeispiel

Grundstück mit 450 Quadratmetern, geplante Terrasse, Rasenfläche, zwei Beete und ein Geräteschuppen in 18 Metern Entfernung vom Haus. Ein Graben von 18 Metern für Strom, Wasser und ein Leerrohr kostet in Eigenleistung rund 240 Euro an Material, mit Bagger und Verfüllung etwa 900 Euro. Dieselbe Leitung nachträglich durch fertigen Rasen und einen Plattenweg zu ziehen, kostet zwischen 1.800 und 3.200 Euro, weil Belag und Bewuchs wiederhergestellt werden müssen.

Der Unterschied erklärt, warum die Leitungsplanung vor der Flächenplanung steht.

Welche Genehmigungen sind im Garten nötig?

Genehmigungspflichtig sind je nach Landesbauordnung Gartenhäuser ab einer bestimmten Größe, Einfriedungen über einer festgelegten Höhe, Schwimmbecken ab einem bestimmten Volumen und Stützmauern. Geländeveränderungen über 30 Zentimetern sind vielerorts ebenfalls anzeigepflichtig.

Der Bebauungsplan setzt zusätzliche Grenzen. Er kann Vorgaben zur Einfriedung, zur zulässigen Versiegelung, zur Art der Bepflanzung und zur Lage von Nebenanlagen enthalten. Einsehbar ist er bei der Gemeinde, häufig auch online.

Die zulässige Versiegelung ist bei kleinen Grundstücken der begrenzende Faktor. Terrasse, Wege, Zufahrt und Gebäude zusammen dürfen einen festgelegten Anteil der Grundstücksfläche nicht überschreiten, und wassergebundene Decken oder Rasenfugenpflaster werden nur teilweise angerechnet.

Klären Sie diese Punkte vor der Detailplanung. Eine Terrasse, die um drei Quadratmeter zu groß geplant ist, lässt sich auf dem Papier in Minuten ändern und im gepflasterten Zustand nur mit Abbruch.

Steht der Plan, beginnt die Umsetzung in einer Reihenfolge, die sich nicht tauschen lässt. Welche Gewerke in welcher Abfolge kommen und wie viel Zeit jedes davon braucht, steht im Beitrag zum Anlegen eines Gartens.