Holzpellets selbst herstellen: Woran die Eigenproduktion scheitert
Holzpellets lassen sich mit einer Pelletpresse grundsätzlich selbst herstellen, für den Betrieb einer Zentralheizung ist das Ergebnis allerdings in aller Regel ungeeignet. Der Grund liegt nicht an der Presse, sondern an der Trocknung: Späne müssen auf 8 bis 12 Prozent Restfeuchte herunter, und ohne technische Trocknungsanlage schwankt dieser Wert zu stark. Eine Kleinpresse mit 200 Kilogramm Stundenleistung kostet zwischen 2.500 und 8.000 Euro.

Lassen sich Holzpellets selbst herstellen?
Die Eigenherstellung ist technisch möglich und wird vor allem dort betrieben, wo größere Mengen trockener Späne kostenlos anfallen, etwa in Schreinereien und Sägewerken. Für Privathaushalte ohne eigenen Spanfall rechnet sich der Aufwand nicht, weil der Rohstoff zugekauft werden müsste.
Die Kernfrage ist immer der Rohstoff. Sägespäne aus einer Schreinerei sind bereits trocken und fein, Späne aus frischem Waldholz enthalten 40 bis 60 Prozent Wasser und müssen vor der Pressung auf ein Zehntel dieses Werts herunter.
Ohne Trocknung entstehen Pellets, die kurzfristig zusammenhalten und nach wenigen Wochen im Lager zerfallen. Das Material quillt, verliert seine Form und blockiert anschließend die Förderschnecke der Heizung.
Wer den Rohstoff trocken zur Verfügung hat, steht vor der Frage nach der passenden Maschine.
Welche Maschine braucht die Herstellung von Pellets?
Für die Eigenherstellung kommen Flachmatrizenpressen mit 100 bis 400 Kilogramm Stundenleistung infrage. Kleine Modelle mit Elektroantrieb ab 3 Kilowatt kosten 2.500 bis 4.000 Euro, Maschinen mit 7,5 bis 15 Kilowatt und höherer Leistung 5.000 bis 8.000 Euro.
Zur Presse gehören zwei weitere Maschinen, die in Angeboten häufig fehlen:
- Hammermühle: Zerkleinert Späne und Hackgut auf eine Korngröße unter 5 Millimetern. Ohne diesen Schritt verstopft die Matrize. Kosten 1.500 bis 4.000 Euro.
- Trockner: Senkt den Wassergehalt auf 8 bis 12 Prozent. Für Kleinmengen kommen Bandtrockner oder beheizte Container infrage, die Kosten beginnen bei 3.000 Euro.
- Kühler und Sieb: Kühlt die Stränge nach der Pressung und trennt den Feinanteil ab. Im Kleinmaßstab oft durch offenes Auskühlen auf einer Siebfläche ersetzt.
Damit liegt die vollständige Ausstattung bei 7.000 bis 16.000 Euro, und dieser Betrag entspricht dem Pelletbezug von etwa 20 bis 50 Jahren bei einem Einfamilienhaus.
Die Maschine allein macht allerdings noch keine brauchbaren Pellets.
Welches Material eignet sich für die Eigenherstellung?
Geeignet sind trockene Säge- und Hobelspäne aus naturbelassenem Nadelholz mit einer Korngröße unter 5 Millimetern. Ungeeignet sind lackiertes, verleimtes oder beschichtetes Holz, Spanplatten, Rinde in größeren Anteilen und jedes Material mit Fremdstoffen.
Der Ligningehalt bestimmt, ob das Material überhaupt bindet. Nadelholz enthält 26 bis 32 Prozent Lignin und presst sich gut, Laubholz liegt bei 20 bis 25 Prozent und braucht höheren Druck. Stroh und Heu binden ohne Zusatz praktisch gar nicht.
Rinde erhöht den Aschegehalt deutlich. Während reines Splintholz unter 0,5 Prozent Asche hinterlässt, liegen rindenhaltige Pellets bei 1,5 bis 3 Prozent, was das Entaschungsintervall vervierfacht und den Wärmetauscher schneller verschmutzt.
Fremdkörper sind das größte Risiko. Ein Nagel oder ein Stein in den Spänen zerstört die Matrize, und eine Ersatzmatrize kostet zwischen 400 und 1.200 Euro.
Wie hoch muss der Wassergehalt sein?
Der Wassergehalt muss vor der Pressung zwischen 8 und 12 Prozent liegen. Darunter binden die Späne nicht, weil zu wenig Feuchtigkeit für die Plastifizierung des Lignins vorhanden ist. Darüber entsteht Dampf in der Matrize, der die Stränge aufreißt.
Messen lässt sich der Wert mit einem Holzfeuchtemessgerät für 40 bis 150 Euro. Eine Messung allein genügt nicht, weil Späne aus unterschiedlichen Chargen stark schwanken, weshalb vor jeder Produktionsschicht gemessen wird.
Frisch gesägtes Nadelholz liegt bei 45 bis 60 Prozent, lufttrockenes Holz nach zwei Jahren Lagerung bei 15 bis 20 Prozent, technisch getrocknete Späne bei 8 bis 12 Prozent. Lufttrocknung allein reicht also nicht aus.
Rechenbeispiel
Schreinerei mit 12 Tonnen trockenem Spanfall im Jahr bei einem Wassergehalt von 10 Prozent. Eine Presse mit 200 Kilogramm Stundenleistung und 7,5 Kilowatt Anschlussleistung benötigt für diese Menge rund 60 Betriebsstunden und 450 Kilowattstunden Strom, also etwa 145 Euro. Die Hammermühle kommt auf weitere 200 Kilowattstunden. Bei Maschinenkosten von 6.000 Euro über zehn Jahre und 345 Euro Strom liegen die Herstellungskosten bei rund 82 Euro je Tonne, gegenüber 320 Euro im Zukauf. Ohne kostenlosen Rohstoff kehrt sich diese Rechnung sofort um.
Die Wirtschaftlichkeit hängt damit vollständig am Rohstoffpreis, und daneben steht eine rechtliche Hürde.
Welche rechtlichen Grenzen gelten für selbst hergestellte Pellets?
In Kleinfeuerungsanlagen dürfen nach der Ersten Bundes-Immissionsschutzverordnung nur Brennstoffe eingesetzt werden, die dort ausdrücklich zugelassen sind. Für Pellets bedeutet das: naturbelassenes Holz in Form von Presslingen nach der geltenden Produktnorm, und diese Anforderung gilt unabhängig davon, wer sie hergestellt hat.
Der Betreiber muss auf Verlangen des Bezirksschornsteinfegers nachweisen können, dass der verwendete Brennstoff diese Anforderungen erfüllt. Bei zugekaufter Ware übernimmt das die Rechnung mit Angabe der Güteklasse, bei Eigenherstellung fehlt dieser Nachweis.
Praktisch heißt das: Selbst gepresste Pellets aus eigenem, naturbelassenem Holz sind nicht per se verboten, aber der Nachweis über Wassergehalt, Aschegehalt und Abrieb liegt beim Betreiber. Ohne Laborprüfung lässt er sich nicht führen.
Hinzu kommt der Gewährleistungsaspekt. Nahezu alle Kesselhersteller schließen Schäden aus, die auf nicht zertifizierte Brennstoffe zurückgehen, und eine blockierte Förderschnecke oder ein verschmutzter Wärmetauscher sind genau solche Schäden.
Welche Anforderungen die Norm im Einzelnen stellt und wie industriell gefertigte Ware geprüft wird, ist im Beitrag zur Pelletfertigung und ihren Güteklassen beschrieben.
Für wen lohnt sich die Eigenherstellung von Pellets?
Die Eigenherstellung lohnt sich für Betriebe mit eigenem, trockenem Spanfall ab etwa 20 Tonnen im Jahr, die den Brennstoff in der eigenen Anlage verwenden oder vermarkten. Für Privathaushalte mit einem Bedarf von 5 Tonnen ist sie weder wirtschaftlich noch praktikabel.
Die Grenze verläuft entlang des Rohstoffs. Wer Späne kostenlos hat und sie andernfalls entsorgen müsste, spart zweimal: bei der Entsorgung und beim Brennstoff. Wer Späne zukauft, zahlt am Ende mehr als für fertige Pellets, weil der Rohstoff allein schon einen erheblichen Teil des Pelletpreises ausmacht.
Eine Zwischenlösung ist die Lohnpelletierung. Mobile Anlagen fahren zum Betrieb, pressen den vorhandenen Spanvorrat und berechnen dafür 70 bis 130 Euro je Tonne. Damit entfällt die Investition in eigene Maschinen, die Trocknung bleibt allerdings Aufgabe des Auftraggebers.
Prüfen Sie vor jeder Investition zuerst den Wassergehalt des vorhandenen Materials über ein ganzes Jahr. Liegt er auch im Winter unter 15 Prozent, ist die Eigenherstellung eine Überlegung wert. Liegt er darüber, entscheidet die Trocknungsanlage über die Rechnung, und die ist teurer als die Presse.