Infrarotsauna: Was die Strahlungswärme im Körper auslöst

Eine Infrarotsauna erwärmt nicht die Luft, sondern den Körper darin. Die Strahlung dringt wenige Millimeter in das Gewebe ein und wird dort in Wärme umgewandelt, während die Kabinenluft bei 30 bis 50 Grad bleibt. Für die Wirkung heißt das: Der Kreislauf wird deutlich weniger belastet als in einer finnischen Sauna, und genau darin liegt der medizinisch interessante Teil der Anwendung.

Innenansicht einer Infrarotkabine mit Strahlern

Welche Wirkung hat eine Infrarotsauna auf den Körper?

Wärmestrahlung erweitert die oberflächennahen Blutgefäße, steigert die lokale Durchblutung und senkt den Muskeltonus. Die Herzfrequenz steigt während einer Sitzung um 10 bis 25 Schläge pro Minute, der Blutdruck fällt danach um etwa 5 bis 15 mmHg ab.

Alle weiteren beschriebenen Wirkungen leiten sich aus diesen drei Vorgängen ab. Die Wärme selbst ist der Wirkstoff, nicht die Strahlung als solche, und deshalb lassen sich die Effekte mit anderen Wärmeanwendungen wie Fango oder Rotlicht vergleichen.

Am besten dokumentiert ist die Wirkung auf die Skelettmuskulatur. Wärme senkt die Viskosität im Bindegewebe und dämpft die Aktivität der Muskelspindeln, wodurch verspannte Muskulatur nachgibt. Der Effekt hält zwei bis sechs Stunden an.

Bei der Einordnung der Studienlage ist Vorsicht geboten, weil ein großer Teil der zitierten Untersuchungen an klassischen Saunen mit 80 bis 100 Grad durchgeführt wurde. Eine ausführliche Darstellung der gesundheitlichen Vorzüge einer Infrarotkabine mit den jeweiligen Einschränkungen hilft, die Aussagen einzeln zu bewerten.

Wie tief die Wärme reicht, hängt dabei vollständig vom verbauten Strahler ab.

Wie funktioniert die Wärmeübertragung in der Infrarotkabine?

Infrarotstrahlung trifft auf die Haut, wird dort teilweise reflektiert und teilweise absorbiert. Der absorbierte Anteil versetzt Moleküle im Gewebe in Schwingung, und diese Schwingung ist Wärme. Die Eindringtiefe liegt je nach Wellenlänge zwischen unter einem und etwa fünf Millimetern.

Die Luft in der Kabine wird dabei kaum erwärmt, weil Luftmoleküle Infrarotstrahlung in diesem Wellenlängenbereich schlecht absorbieren. Gemessen werden 30 bis 50 Grad, und dieser Wert stammt überwiegend von den aufgeheizten Innenflächen der Kabine.

Genau deshalb fühlt sich eine Infrarotkabine bei 45 Grad wärmer an, als die Zahl vermuten lässt. Der Körper nimmt Strahlungswärme direkt auf, während er in einem normalen Raum mit 45 Grad Lufttemperatur erst über die Luft erwärmt würde.

Welche Strahlertypen es gibt, wie sie sich in Wellenlänge und Eindringtiefe unterscheiden und welcher Typ zu welchem Anwendungsziel passt, ist im Beitrag zur Strahlungswärme in der Infrarotkabine im Einzelnen beschrieben.

Aus dem Wirkprinzip folgt unmittelbar die richtige Anwendung.

Wie wird eine Infrarotsauna richtig genutzt?

Eine Sitzung dauert 25 bis 40 Minuten bei 40 bis 50 Grad, bei Kabinen mit Vollspektrumstrahler 15 bis 25 Minuten. Sinnvoll sind zwei bis vier Anwendungen pro Woche, danach 10 bis 15 Minuten Nachruhe und mindestens ein halber Liter Wasser.

Der Ablauf unterscheidet sich von der finnischen Sauna in einem wesentlichen Punkt: Der kalte Guss ist nicht erforderlich. Der Körper überhitzt in der Wärmekabine nicht in gleichem Maß, weshalb die Abkühlung keine funktionale Notwendigkeit hat.

Die Sitzposition ist dagegen wichtiger als in der Sauna. Weil Strahlung geradlinig verläuft, wärmt sie nur die zugewandten Körperpartien. Wer vor einem Vollspektrumstrahler sitzt, wärmt die Vorderseite stark und den Rücken kaum, und diese Einseitigkeit empfinden viele Nutzer nach den ersten Sitzungen als unangenehm.

Tägliche Anwendung bringt keinen zusätzlichen Nutzen. Sie belastet den Flüssigkeitshaushalt und trocknet die Haut aus, ohne dass der muskuläre Effekt zunimmt.

Wer die Anwendung übertreibt, stößt auf die Grenzen des Verfahrens.

Welche Risiken und Gegenanzeigen gibt es?

Gegen die Nutzung sprechen akute Entzündungen, Fieber, frische Verletzungen, unbehandelter Bluthochdruck und eine bestehende Herzschwäche. Bei Einnahme blutdrucksenkender Mittel und in der Schwangerschaft ist die Anwendung ärztlich abzuklären.

Drei Risiken treten unabhängig von Vorerkrankungen auf und lassen sich durch die Anwendung selbst steuern:

  • Überhitzung: Weil die Lufttemperatur niedrig bleibt, meldet der Körper die steigende Kerntemperatur später als in der Sauna. Kopfdruck und Übelkeit sind die Warnzeichen, und die Sitzung endet dann sofort.
  • Flüssigkeitsverlust: Eine Sitzung von 30 Minuten kostet 0,2 bis 0,5 Liter. Ohne Ausgleich führt das bei täglicher Nutzung zu Kopfschmerzen und Kreislaufschwäche.
  • Augenbelastung: Infrarot-A-Strahlung aus Vollspektrumstrahlern dringt bis in die Linse vor. Der direkte Blick in den Strahler ist zu vermeiden, bei reinen Flächenstrahlern besteht dieses Problem nicht.

Bei akuten Verletzungen kehrt sich die Wirkung ins Gegenteil. Eine frische Zerrung oder eine entzündete Sehne reagieren auf Wärme mit stärkerer Schwellung, weil die gesteigerte Durchblutung die Entzündung befeuert. In den ersten 48 Stunden ist Kälte die richtige Anwendung.

Für wen sich die Anschaffung trotz dieser Einschränkungen rechnet, hängt vom Anwendungsziel ab.

Für wen eignet sich eine Infrarotsauna?

Geeignet ist die Infrarotkabine für Menschen mit chronischen Verspannungen, für Kreislaufempfindliche, denen 90 Grad zu viel sind, und für alle mit wenig Zeit, weil eine Sitzung ohne lange Vorheizphase in 30 bis 40 Minuten abgeschlossen ist.

Die Abgrenzung fällt am leichtesten über die Erwartung. Wer den Aufguss, die Hitze und den Kaltwasserreiz sucht, wird mit einer Wärmekabine nicht zufrieden sein, unabhängig von ihrer Qualität. Was eine klassische Anlage dagegen leistet, steht im Beitrag zur finnischen Sauna.

Für welche Beschwerdebilder und Alltagssituationen die Kabine tatsächlich etwas bringt und wo die Erwartungen regelmäßig zu hoch angesetzt werden, ist im Beitrag zu den Vorteilen einer Infrarotkabine aufgeschlüsselt.

Ein praktischer Punkt spricht für die Kabine, der in der Wirkungsdebatte untergeht: Sie braucht keinen Starkstromanschluss. Modelle bis 3,5 Kilowatt laufen an einer gewöhnlichen Schuko-Steckdose mit 16 Ampere Absicherung, was die Installation erheblich vereinfacht.

Was kostet eine Infrarotsauna im Betrieb?

Eine Zweipersonenkabine mit rund 2 Kilowatt Anschlussleistung verbraucht inklusive Vorheizen etwa 1,5 Kilowattstunden je Sitzung. Bei 0,32 Euro je Kilowattstunde kostet eine Anwendung damit rund 48 Cent.

Rechenbeispiel

Kabine für zwei Personen mit 2 Kilowatt Anschlussleistung, drei Sitzungen pro Woche über das ganze Jahr. Das ergibt 156 Sitzungen zu je 1,5 Kilowattstunden, also 234 Kilowattstunden. Bei 0,32 Euro je Kilowattstunde entstehen Stromkosten von rund 75 Euro im Jahr. Eine finnische Sauna mit 8-Kilowatt-Ofen kostet bei gleicher Nutzungsfrequenz das Vier- bis Fünffache, weil sie den gesamten Raum aufheizen muss und die Aufheizzeit dreimal so lang ist.

Die Anschaffung liegt bei 1.200 bis 2.500 Euro für eine Standardkabine mit Flächenstrahlern und bei 2.500 bis 6.000 Euro für Kabinen mit Vollspektrumstrahler oder Sondermaß.

Hinzu kommt, was der Katalog nicht ausweist: Die Lieferung erfolgt bis Bordsteinkante, der Transport in den Keller kostet extra oder Muskelkraft, und ein eigener Stromkreis ist in vielen Altbauten eine Elektrikerrechnung von 150 bis 400 Euro.

Die laufenden Kosten sind damit der kleinste Posten der gesamten Rechnung, und sie sind der Grund, warum die Kabine trotz begrenzter Wirkung als Einstieg in die Heimanwendung so verbreitet ist.