Finnische Sauna: Warum 90 Grad nur bei trockener Luft auszuhalten sind

Die finnische Sauna arbeitet bei 80 bis 100 Grad Lufttemperatur und einer relativen Luftfeuchte von 10 bis 20 Prozent. Genau diese Kombination aus hoher Temperatur und trockener Luft macht den Aufenthalt erträglich, denn Schweiß kann verdunsten und kühlt dabei die Haut. Der Aufguss unterbricht diesen Mechanismus für wenige Minuten, und darin liegt seine Wirkung.

Innenraum einer finnischen Sauna mit Holzbänken und Saunaofen

Was kennzeichnet eine finnische Sauna?

Eine finnische Sauna ist ein holzverkleideter Raum mit einem Saunaofen, auf dem Steine liegen, Bänken auf zwei bis drei Ebenen und einer definierten Luftführung. Die Lufttemperatur liegt zwischen 80 und 100 Grad, die relative Luftfeuchte ohne Aufguss zwischen 10 und 20 Prozent.

Der Temperaturunterschied im Raum ist dabei größer, als die Anzeige vermuten lässt. Auf der obersten Bank in Kopfhöhe herrschen 85 bis 100 Grad, am Boden 40 bis 50 Grad. Genau deshalb gibt es mehrere Ebenen: Die Belastung lässt sich über die Sitzhöhe steuern.

Die Saunasteine auf dem Ofen sind kein Zierrat, sondern der Wärmespeicher. Sie nehmen beim Aufheizen Energie auf und geben sie beim Aufguss schlagartig als Dampf wieder ab. Ohne Steinfüllung wäre ein Aufguss nicht möglich.

Die trockene Luft ist der Grund, warum 90 Grad hier auszuhalten sind, während dieselbe Temperatur in einem Dampfbad lebensgefährlich wäre.

Wie läuft ein Saunagang richtig ab?

Ein Saunagang dauert 8 bis 15 Minuten, gefolgt von einer Abkühlphase an der frischen Luft und einem kalten Guss, danach 15 bis 20 Minuten Ruhe. Üblich sind zwei bis drei solcher Durchgänge, wobei der erste der kürzeste ist.

Der Ablauf folgt einer festen Reihenfolge, deren einzelne Schritte jeweils einen physiologischen Zweck erfüllen:

  1. Duschen und abtrocknen: Trockene Haut schwitzt schneller, weil die Verdunstungskühlung nicht erst das Duschwasser abtragen muss.
  2. Saunagang, 8 bis 15 Minuten: Zuerst liegend oder sitzend auf der mittleren Bank, die letzten zwei Minuten aufrecht sitzend, damit der Kreislauf sich umstellt.
  3. Frischluft, 2 bis 5 Minuten: An der kühlen Luft wird die aufgenommene Wärme abgegeben und die Atmung normalisiert sich.
  4. Kalter Guss: Von den Füßen aufwärts zum Herzen, damit sich die Gefäße kontrolliert zusammenziehen.
  5. Ruhen, 15 bis 20 Minuten: Zugedeckt, damit die Körpertemperatur nicht zu schnell absinkt.

Die Reihenfolge von Frischluft und kaltem Guss wird häufig getauscht, und das ist der häufigste Fehler. Ein kalter Guss direkt aus der Hitze belastet den Kreislauf stärker, weil der Körper die aufgenommene Wärme noch nicht abgeben konnte.

Trinken gehört zwischen die Gänge, nicht währenddessen. Ein halber bis ganzer Liter über den gesamten Saunabesuch gleicht den Flüssigkeitsverlust aus, der bei zwei bis drei Gängen zwischen 0,5 und 1,5 Litern liegt.

Der Aufguss ist der Teil, der am meisten missverstanden wird.

Was passiert beim Aufguss?

Beim Aufguss wird Wasser auf die heißen Saunasteine gegossen, das dort sofort verdampft. Die relative Luftfeuchte steigt kurzzeitig von 10 bis 20 auf 40 bis 60 Prozent, wodurch die Verdunstungskühlung auf der Haut aussetzt und die Hitze als deutlich stärker empfunden wird.

Die Lufttemperatur steigt dabei kaum. Gemessen wird oft nur ein Anstieg von zwei bis fünf Grad, das subjektive Empfinden entspricht jedoch einem Sprung von 15 bis 20 Grad. Verantwortlich ist allein die blockierte Verdunstung.

Üblich sind 10 bis 15 Milliliter Wasser je Kubikmeter Kabinenvolumen, also etwa 150 Milliliter für eine Kabine mit 10 Kubikmetern, verteilt auf zwei bis drei Kellen. Mehr Wasser kühlt die Steine aus, statt den Effekt zu verstärken.

Ätherische Öle gehören in das Aufgusswasser, nicht direkt auf die Steine. Unverdünnt aufgebracht können sie sich entzünden, und die Dosierung liegt bei wenigen Tropfen je Liter.

Nach dem Aufguss folgt die Frage, was die Anwendung körperlich bewirkt.

Welche Wirkungen hat die finnische Sauna?

Belegt sind die Erweiterung der Blutgefäße, eine kurzfristige Senkung des Blutdrucks nach dem Saunabesuch und eine Entspannung der Skelettmuskulatur. Die Körperkerntemperatur steigt während eines Gangs um 0,5 bis 1,5 Grad, die Hauttemperatur auf bis zu 42 Grad.

Für regelmäßige Saunanutzung gibt es Beobachtungsstudien aus Finnland, die einen Zusammenhang mit niedrigeren Raten an Herz-Kreislauf-Ereignissen beschreiben. Beobachtungsstudien zeigen allerdings Zusammenhänge, keine Ursachen, und wer regelmäßig sauniert, unterscheidet sich meist auch in anderen Lebensgewohnheiten.

Der Wechsel zwischen Hitze und Kälte trainiert die Gefäßreaktion messbar. Das ist der Mechanismus hinter der verbreiteten Aussage zur Abhärtung, und er setzt Regelmäßigkeit voraus: ein bis zwei Besuche pro Woche über Monate, nicht ein Besuch im Quartal.

Gegen die Nutzung sprechen akute Infekte mit Fieber, frische Entzündungen, unbehandelter Bluthochdruck und eine bestehende Herzschwäche. Klären Sie die Nutzung ärztlich ab, wenn Sie blutdrucksenkende Mittel einnehmen.

Rechenbeispiel

Heimsauna mit 6 Kubikmetern Volumen, Ofen mit 7,5 Kilowatt, zwei Saunaabende pro Woche mit je drei Stunden Betriebszeit einschließlich Aufheizen. Der Verbrauch liegt bei rund 11 Kilowattstunden je Abend, also 22 Kilowattstunden pro Woche. Bei 0,32 Euro je Kilowattstunde ergeben sich 366 Euro im Jahr. Zwei Thermenbesuche pro Woche zu je 22 Euro kosten dagegen rund 2.290 Euro.

Damit die Anlage diese Rechnung über Jahre trägt, braucht sie die richtige Luftführung.

Welche Luftführung braucht eine finnische Sauna?

Die Zuluft tritt in Ofennähe rund 10 Zentimeter über dem Boden ein, die Abluft verlässt die Kabine diagonal gegenüber ebenfalls in Bodennähe. Als Querschnitt gelten 35 Quadratzentimeter je Kilowatt Ofenleistung, bei einem 8-Kilowatt-Ofen also rund 280 Quadratzentimeter.

Ohne diese Zirkulation bleibt die Luft an den Liegen sauerstoffarm, obwohl das Thermometer die richtige Temperatur zeigt. Der Saunagang fühlt sich dann kürzer erträglich an, ohne dass ein offensichtlicher Grund erkennbar wäre.

Nach dem letzten Gang bleibt die Abluft vollständig offen und die Tür geöffnet, damit die Restwärme das Holz trocknet. Bei zwei Personen und drei Aufgüssen gelangen rund 2,5 Liter Wasser in die Kabine, und dieses Wasser muss heraus.

Die vollständigen Regeln zur Einstellung des Schiebers in den drei Betriebsphasen stehen im Beitrag zur Belüftung einer Sauna.

Was unterscheidet die finnische Sauna von anderen Schwitzbädern?

Die finnische Sauna arbeitet mit trockener Hitze bei 80 bis 100 Grad, ein Dampfbad mit nahezu gesättigter Luft bei 40 bis 50 Grad und eine Infrarotkabine mit Strahlungswärme bei 30 bis 50 Grad. Der Unterschied liegt nicht in der Temperatur allein, sondern in der Kombination aus Temperatur und Luftfeuchte.

Für den Körper bedeuten diese drei Verfahren unterschiedliche Belastungen. Die finnische Sauna erzeugt den stärksten Kreislaufreiz, das Dampfbad den mildesten bei höherer Belastung der Atemwege, die Infrarotkabine die geringste Kreislaufbelastung bei längerer Anwendungsdauer.

Die Wahl richtet sich deshalb weniger nach dem Geschmack als nach der körperlichen Voraussetzung. Wer bei 90 Grad Kreislaufprobleme bekommt, wird auch mit einer sehr guten finnischen Sauna nicht glücklich.

Der direkte Vergleich zwischen trockener Hitze und Dampf ist im Beitrag zum Unterschied zwischen Dampfbad und Sauna aufgeschlüsselt.