Dampfbad und Sauna: Warum die Luftfeuchte alles entscheidet
Sauna und Dampfbad unterscheiden sich nicht in erster Linie durch die Temperatur, sondern durch die Luftfeuchte, und daraus folgt alles Weitere. Eine finnische Sauna arbeitet bei 80 bis 100 Grad und 10 bis 20 Prozent relativer Luftfeuchte, ein Dampfbad bei 40 bis 50 Grad und nahezu 100 Prozent. Beide Anlagen erzeugen Schweiß, aber über entgegengesetzte Wege, und für den Körper bedeuten sie unterschiedliche Belastungen.

Was unterscheidet Dampfbad und Sauna?
Eine Sauna erhitzt trockene Luft auf 80 bis 100 Grad, wodurch Schweiß verdunstet und die Haut kühlt. Ein Dampfbad sättigt die Luft bei 40 bis 50 Grad vollständig mit Wasserdampf, wodurch Schweiß nicht mehr verdunsten kann und auf der Haut stehen bleibt.
| Merkmal | Finnische Sauna | Dampfbad |
|---|---|---|
| Lufttemperatur | 80 bis 100 Grad | 40 bis 50 Grad |
| Relative Luftfeuchte | 10 bis 20 Prozent | 95 bis 100 Prozent |
| Aufenthaltsdauer je Gang | 8 bis 15 Minuten | 15 bis 20 Minuten |
| Kreislaufbelastung | hoch | mittel |
| Belastung der Atemwege | gering, trockene Luft | hoch, gesättigte Luft |
| Materialien | Holz | Fliesen, Stein, Glas |
| Aufheizzeit | 40 bis 60 Minuten | 20 bis 30 Minuten |
| Typische Anschlussleistung | 6 bis 9 Kilowatt | 3 bis 6 Kilowatt Dampferzeuger |
Die Zeile zur Luftfeuchte erklärt die gesamte Tabelle. Bei gesättigter Luft funktioniert die Verdunstungskühlung nicht, weshalb 50 Grad im Dampfbad als heißer empfunden werden als 50 Grad in einem trockenen Raum.
Umgekehrt sind 90 Grad in der Sauna nur deshalb auszuhalten, weil die Haut permanent durch verdunstenden Schweiß gekühlt wird. Dieselbe Temperatur bei hoher Luftfeuchte wäre innerhalb von Minuten lebensgefährlich.
Aus der Luftfeuchte folgt auch die unterschiedliche Bauweise.
Warum brauchen beide Anlagen unterschiedliche Materialien?
Eine Sauna wird mit unbehandeltem Holz ausgekleidet, weil Holz Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Ein Dampfbad wird gefliest oder mit Naturstein ausgekleidet, weil bei gesättigter Luft ständig Kondenswasser an allen Oberflächen anfällt.
Im Dampfbad läuft dieses Kondensat an Wänden und Decke herunter und muss über ein Gefälle in einen Bodenablauf geführt werden. Eine Dampfkabine braucht deshalb eine vollständige Abdichtung nach Abdichtungsnorm und einen Ablauf, eine Sauna weder das eine noch das andere.
Die Decke ist der kritische Punkt. Eine waagerechte Decke lässt Kondenswasser als Tropfen auf die Nutzer fallen, weshalb Dampfbäder mit einem Deckengefälle von mindestens drei Grad gebaut werden.
Daraus folgt ein erheblicher Unterschied beim Einbauaufwand. Eine Saunakabine wird in einen trockenen Raum gestellt, ein Dampfbad ist ein abgedichteter Nassraum und damit ein Bauvorhaben.
Für den Körper unterscheiden sich beide Anwendungen ebenfalls deutlich.
Welche Wirkung hat das Dampfbad auf den Körper?
Die gesättigte Luft im Dampfbad befeuchtet die Atemwege und löst festsitzendes Sekret, was bei trockenen Schleimhäuten als angenehm empfunden wird. Der Kreislauf wird wegen der niedrigeren Temperatur weniger belastet als in der Sauna, die Atmung dagegen stärker.
Die Wirkung auf die Atemwege ist der eigentliche Unterschied zur Sauna. Warmer, feuchter Dampf verflüssigt Sekret und erleichtert das Abhusten, weshalb Dampfbäder bei trockenem Husten und in der Erkältungsnachsorge verbreitet sind.
Bei akuten Infekten mit Fieber gilt das Gegenteil, dort ist jede Wärmeanwendung ausgeschlossen. Bei Asthma kann die hohe Luftfeuchte Beschwerden auslösen, weshalb die Anwendung dort ärztlich abgeklärt werden sollte.
Für die Haut wirkt das Dampfbad milder als die Sauna, weil die Feuchtigkeit ein Austrocknen verhindert. Menschen mit trockener Haut oder Neurodermitis vertragen das Dampfbad häufig besser.
Rechenbeispiel
Dampfbad mit 4 Kubikmetern Volumen, Dampferzeuger mit 4,5 Kilowatt, zwei Anwendungen pro Woche mit je 90 Minuten Betrieb einschließlich Aufheizen. Der Verbrauch liegt bei rund 5,4 Kilowattstunden je Anwendung, also 11 Kilowattstunden pro Woche. Bei 0,32 Euro je Kilowattstunde entstehen rund 183 Euro Stromkosten im Jahr, dazu 3 bis 5 Kubikmeter Wasser für etwa 20 Euro. Eine finnische Sauna mit 7,5 Kilowatt liegt bei gleicher Nutzung bei rund 366 Euro.
Die Betriebskosten sprechen damit für das Dampfbad, die Investitionskosten dagegen.
Was kostet ein Dampfbad im Vergleich zur Sauna?
Eine fertige Dampfkabine kostet 4.000 bis 12.000 Euro, ein gemauertes und gefliestes Dampfbad 8.000 bis 25.000 Euro. Eine Saunakabine derselben Größe liegt bei 3.000 bis 12.000 Euro, weil Abdichtung, Ablauf und Fliesenarbeiten entfallen.
Der Unterschied entsteht fast vollständig im Nassbau. Abdichtung nach Norm, Bodenablauf, Gefälle und Fliesenarbeiten summieren sich bei einem individuell gebauten Dampfbad auf 4.000 bis 12.000 Euro, und diese Arbeiten lassen sich nicht in Eigenleistung erbringen, ohne die Gewährleistung zu gefährden.
Fertige Dampfkabinen aus Acryl oder Glas umgehen diesen Aufwand. Sie werden wie eine Duschkabine gesetzt und an vorhandene Wasser- und Abwasseranschlüsse angeschlossen, brauchen dafür aber einen Raum mit Ablauf.
Die Wartung fällt beim Dampfbad höher aus. Der Dampferzeuger muss je nach Wasserhärte alle 6 bis 24 Monate entkalkt werden, und die Fugen brauchen regelmäßige Kontrolle auf Schimmelbefall.
Welche Anlage passt zu welchem Nutzer?
Die Sauna passt zu Menschen, die den Hitzereiz und den Wechsel mit Kälte suchen und einen trockenen Raum zur Verfügung haben. Das Dampfbad passt zu Menschen mit empfindlichen Atemwegen oder trockener Haut, die eine mildere Temperatur bevorzugen und einen Nassraum einplanen können.
Die Entscheidung fällt in der Praxis häufiger über den Raum als über die Vorliebe. Ein trockener Kellerraum ohne Ablauf lässt nur die Sauna zu, ein bestehender Duschbereich im Bad eher das Dampfbad.
Wer weder Hitze noch Feuchtigkeit sucht, findet in einer dritten Bauart eine Alternative mit deutlich niedrigerer Kreislaufbelastung. Wie Strahlungswärme dort funktioniert und wo ihre Grenzen liegen, steht im Beitrag zur Wirkung der Infrarotsauna.
Kombinationsgeräte, die beides in einer Kabine leisten, gibt es, sie sind jedoch ein Kompromiss. Die Materialanforderungen widersprechen sich, weshalb Kombikabinen entweder mit reduzierter Saunatemperatur oder mit reduzierter Dampfsättigung arbeiten.
Wer den klassischen Ablauf mit Aufguss und Kaltwasserreiz sucht, findet die ausführliche Darstellung im Beitrag zur finnischen Sauna.