Garten düngen: Warum Universaldünger meist das Falsche liefert

Gedüngt wird nach Bedarf, nicht nach Kalender, und der Bedarf ergibt sich aus einer Bodenanalyse für 25 bis 60 Euro. Ohne diesen Wert wird in deutschen Gärten regelmäßig zu viel Phosphor und zu wenig Kalium ausgebracht, weil Universaldünger ein festes Verhältnis mitbringen, das selten zum tatsächlichen Boden passt. Eine Überdüngung schadet dabei mehr als eine Unterversorgung: Überschüssiger Stickstoff wird ausgewaschen und belastet das Grundwasser.

Düngerstreuer auf einer Gartenfläche

Warum steht die Bodenanalyse am Anfang?

Eine Bodenanalyse liefert pH-Wert, Gehalt an Phosphor, Kalium und Magnesium sowie den Humusanteil. Erst daraus ergibt sich, welche Nährstoffe fehlen. Ohne diese Werte ist jede Düngung eine Schätzung, und Schätzungen liegen bei Phosphor regelmäßig zu hoch.

Der pH-Wert ist dabei die wichtigste Einzelangabe, weil er über die Verfügbarkeit aller anderen Nährstoffe entscheidet. Zwischen 5,5 und 7,0 sind Stickstoff, Phosphor und Kalium für die Wurzel erreichbar. Darunter und darüber sind sie zwar im Boden vorhanden, aber festgelegt.

Ein zu niedriger pH-Wert wird mit kohlensaurem Kalk angehoben, ein zu hoher lässt sich praktisch nicht senken, dort hilft nur die Auswahl kalkverträglicher Pflanzen.

Die Analyse wird alle drei bis vier Jahre wiederholt. Die Bodenprobe wird aus zehn bis fünfzehn Einstichen über die Fläche verteilt gemischt, jeweils aus 0 bis 20 Zentimetern Tiefe bei Beeten und 0 bis 10 Zentimetern bei Rasen.

Mit den Werten lässt sich bestimmen, welcher Nährstoff überhaupt gebraucht wird.

Welche Nährstoffe brauchen Gartenpflanzen?

Hauptnährstoffe sind Stickstoff für das Blattwachstum, Phosphor für Wurzel und Blüte und Kalium für Festigkeit und Frosthärte. Dazu kommen Magnesium, Calcium und Schwefel sowie Spurenelemente wie Eisen, Bor und Mangan.

Die drei Hauptnährstoffe stehen auf jeder Packung in dieser Reihenfolge als NPK-Angabe. Ein Dünger mit 15-5-20 enthält 15 Prozent Stickstoff, 5 Prozent Phosphat und 20 Prozent Kaliumoxid.

  • Stickstoff: Treibt das Blattwachstum. Wird schnell ausgewaschen und muss deshalb über das Jahr verteilt gegeben werden, nicht in einer Gabe.
  • Phosphor: Fördert Wurzelbildung und Blüte. Wird im Boden festgelegt und reichert sich an, weshalb die meisten Gartenböden in Deutschland überversorgt sind.
  • Kalium: Stärkt Zellwände und Frosthärte. Der typische Mangel in Gartenböden, besonders auf Sandböden.
  • Magnesium: Zentralatom des Blattgrüns. Mangel zeigt sich als Aufhellung zwischen den Blattadern bei grün bleibenden Adern.

Der Unterschied zwischen Phosphor und Kalium erklärt, warum Universaldünger problematisch sind. Sie bringen beides im festen Verhältnis, und wenn Phosphor bereits reichlich vorhanden ist, wird er weiter angereichert, während Kalium weiterhin fehlt.

Neben der Zusammensetzung unterscheidet sich die Wirkungsweise.

Was unterscheidet organische und mineralische Dünger?

Mineralische Dünger liegen in wasserlöslicher Form vor und wirken innerhalb von Tagen. Organische Dünger müssen erst von Bodenlebewesen aufgeschlossen werden, wirken deshalb über Wochen und verbessern zusätzlich die Bodenstruktur.

Eigenschaft Mineralisch Organisch
Wirkungseintritt 3 bis 10 Tage 3 bis 8 Wochen
Wirkungsdauer 4 bis 8 Wochen 3 bis 6 Monate
Auswaschungsrisiko hoch bei Überdosierung gering
Wirkung auf Bodenleben keine bis negativ fördernd
Dosiergenauigkeit hoch, Nährstoffe deklariert geringer, Gehalte schwanken
Temperaturabhängig nein ja, Umsetzung erst ab 8 Grad

Die Temperaturabhängigkeit organischer Dünger hat praktische Folgen. Eine Gabe im März bleibt wirkungslos, solange der Boden unter 8 Grad hat, und setzt erst mit der Erwärmung ein.

Organisch-mineralische Dünger verbinden beide Prinzipien: ein schnell verfügbarer Anteil für den Sofortbedarf und ein organischer Anteil für die Langzeitwirkung. Für Rasenflächen ist das die verbreitetste Form.

Kompost ist kein Dünger im engeren Sinn, sondern ein Bodenverbesserer. Er enthält Nährstoffe in geringer Konzentration und wirkt vor allem über Humusaufbau und Struktur.

Wann welche Gabe sinnvoll ist, folgt dem Wachstumsverlauf.

Wann wird im Gartenjahr gedüngt?

Die Hauptdüngung erfolgt zum Vegetationsbeginn im März oder April, eine zweite Gabe im Juni. Eine dritte Gabe im August bis September dient der Frosthärte und ist stickstoffarm sowie kaliumbetont.

Die letzte Stickstoffgabe sollte Mitte August nicht überschreiten. Stickstoff im Spätsommer treibt weiches Gewebe, das nicht mehr ausreift und im ersten Frost geschädigt wird.

Für Rasenflächen gilt ein eigener Rhythmus mit drei bis vier Gaben: März bis April als Startdüngung, Mai bis Juni als Hauptgabe, Juli bis August bei intensiver Nutzung und September bis Oktober als Herbstdüngung mit hohem Kaliumanteil.

Gedüngt wird auf feuchten Boden und vor angekündigtem Regen. Dünger auf trockenem Boden bleibt liegen, und auf feuchten Blättern verursachen mineralische Dünger Verbrennungen.

Rechenbeispiel

Rasenfläche mit 200 Quadratmetern, Bodenanalyse zeigt ausreichend Phosphor und niedrigen Kaliumgehalt. Gewählt wird ein Dünger mit 15-3-20 bei einer Ausbringung von 30 Gramm je Quadratmeter, also 6 Kilogramm je Gabe. Bei drei Gaben im Jahr sind das 18 Kilogramm für rund 65 bis 110 Euro. Ein Universaldünger mit 14-7-14 hätte bei gleicher Menge 378 Gramm Phosphat zusätzlich eingebracht, das der Boden nicht braucht und das dauerhaft festgelegt wird.

Die Zahl zeigt, warum die Analyse sich bereits nach zwei Jahren rechnet.

Welche Folgen hat eine Überdüngung?

Überschüssiger Stickstoff wird als Nitrat ausgewaschen und gelangt ins Grundwasser. Im Garten zeigt sich Überdüngung an weichem, dunkelgrünem Wuchs, erhöhter Anfälligkeit für Pilzkrankheiten und Blattläuse sowie an verbrannten Blatträndern bei mineralischen Düngern.

Die Düngeverordnung gilt für die Landwirtschaft, nicht für Hausgärten, doch das Grundwasser unterscheidet nicht nach Herkunft. In Wasserschutzgebieten bestehen zusätzlich kommunale Vorgaben, die auch private Flächen betreffen können.

Bei Phosphor ist das Problem ein anderes. Er wird nicht ausgewaschen, sondern im Boden festgelegt und reichert sich über Jahrzehnte an. Ein überversorgter Boden blockiert dann die Aufnahme von Eisen und Zink, was sich als Blattaufhellung zeigt, obwohl genug Nährstoffe vorhanden sind.

Die Korrektur dauert Jahre. Ein überversorgter Boden baut Phosphor nur über den Entzug durch Pflanzen ab, und dieser Entzug liegt bei wenigen Kilogramm je Hektar und Jahr.

Wer die Fläche neu anlegt, hat deshalb die beste Gelegenheit, Boden und Nährstoffversorgung von Beginn an richtig einzustellen. Welche Schritte dabei in welcher Reihenfolge anstehen, steht im Beitrag zum Anlegen eines Gartens. Für frisch angesäte Flächen gelten eigene Regeln, die im Beitrag zum Rasen säen beschrieben sind.