Sickergrube für die Gartentoilette: Warum sie unzulässig ist
Eine Sickergrube für eine Gartentoilette ist in Deutschland nicht zulässig, und zwar unabhängig von der Größe des Grundstücks und vom Alter der Anlage. Häusliches Abwasser darf nach dem Wasserhaushaltsgesetz nicht ungeklärt in den Boden gelangen, weil es von dort ins Grundwasser einsickert. Wer eine bestehende Grube weiterbetreibt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

Ist eine Sickergrube für eine Gartentoilette erlaubt?
Eine Sickergrube ohne dichten Boden ist für Fäkalien und häusliches Abwasser verboten. Zulässig sind nur eine abflusslose Sammelgrube mit dichter Sohle und geregelter Abfuhr, eine Kleinkläranlage nach den anerkannten Regeln der Technik oder der Anschluss an den öffentlichen Kanal.
Die rechtliche Grundlage steht in den Paragrafen 55 und 57 des Wasserhaushaltsgesetzes. Abwasser ist danach so zu beseitigen, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird, und jede Einleitung in den Untergrund bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis. Für ungeklärtes Schmutzwasser wird diese Erlaubnis in der Praxis nicht erteilt.
Der zweite Hebel liegt bei der Gemeinde. Nahezu jede kommunale Abwassersatzung enthält einen Anschluss- und Benutzungszwang: Wo ein öffentlicher Kanal in der Straße liegt, muss das Grundstück angeschlossen werden. Eine eigene Grube ist dort auch dann unzulässig, wenn sie technisch dicht wäre.
Die Unterscheidung zwischen den Grubentypen entscheidet über die gesamte Bewertung, und genau hier verwechseln Eigentümer regelmäßig zwei völlig verschiedene Bauwerke.
Was unterscheidet Sickergrube, Sammelgrube und Kleinkläranlage?
Eine Sickergrube hat keinen dichten Boden und lässt Abwasser versickern. Eine abflusslose Sammelgrube ist rundum dicht und wird abgefahren. Eine Kleinkläranlage reinigt das Abwasser biologisch und leitet es anschließend kontrolliert ab. Nur die beiden letzten Bauformen sind genehmigungsfähig.
| Merkmal | Sickergrube | Abflusslose Sammelgrube | Kleinkläranlage |
|---|---|---|---|
| Sohle | offen oder durchlässig | dicht, nachweispflichtig | dicht, mehrkammerig |
| Zulässig | nein | ja, mit Gestattung der Gemeinde | ja, mit wasserrechtlicher Erlaubnis |
| Laufende Pflicht | keine, weil unzulässig | Abfuhr durch beauftragtes Unternehmen | Wartung ein- bis zweimal jährlich |
| Kosten im Jahr | entfällt | 300 bis 900 Euro Abfuhr | 150 bis 300 Euro Wartung |
| Typischer Einsatz | Altbestand vor 1970 | Einzellagen ohne Kanal | dauerhaft bewohnte Grundstücke ohne Kanal |
Die Sammelgrube wird häufig unterschätzt, weil ihre laufenden Kosten an der Abfuhrmenge hängen. Jeder Liter Frischwasser, der in die Toilette gespült wird, muss später als Abwasser abgefahren werden, und genau deshalb ist eine Wasserspültoilette an einer Sammelgrube die teuerste aller Lösungen.
Bestandsschutz wird in diesem Zusammenhang oft ins Feld geführt, trägt aber seltener als angenommen.
Gilt für alte Sickergruben ein Bestandsschutz?
Bestandsschutz setzt eine seinerzeit erteilte Genehmigung voraus. Für Sickergruben, die vor Jahrzehnten ohne Bescheid angelegt wurden, besteht kein Bestandsschutz, und auch eine alte Genehmigung schützt nicht vor einer nachträglichen Anordnung der Wasserbehörde.
Die Behörden gehen beim Eigentümerwechsel und bei Bauanträgen auf dem Grundstück regelmäßig auf diese Anlagen zu. Wer ein Grundstück mit alter Grube kauft, übernimmt die Pflicht zur Nachrüstung, und diese Pflicht ist nicht verhandelbar. Lassen Sie sich vor dem Kauf eine Bestätigung der Gemeinde über die zulässige Abwasserbeseitigung geben.
Wo die Grube steht, entscheidet zusätzlich über den Schweregrad der Sache.
Welche Strafe droht für eine Sickergrube im Garten?
Das unerlaubte Einleiten von Abwasser in den Boden ist eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 103 Wasserhaushaltsgesetz und kann mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Ist das Grundwasser nachweislich verunreinigt, greift Paragraf 324 Strafgesetzbuch, und daraus wird eine Straftat.
In der Praxis beginnt es selten mit dem Bußgeld. Die Untere Wasserbehörde ordnet zunächst die Stilllegung an und setzt eine Frist für die Nachrüstung, meist zwischen drei und zwölf Monaten. Erst wenn diese Frist verstreicht, folgen Zwangsgeld und Bußgeldverfahren.
Deutlich strenger wird es in Wasserschutzgebieten. In der Zone II ist bereits die Lagerung wassergefährdender Stoffe stark eingeschränkt, und eine Versickerung von Fäkalien führt dort regelmäßig zur sofortigen Anordnung mit kurzer Frist.
Rechenbeispiel
Gartengrundstück mit 400 Quadratmetern, Gartenhaus mit Wasserspültoilette, zwei Personen an rund 60 Tagen im Jahr. Bei 6 Litern je Spülung und vier Spülungen pro Person und Tag fallen rund 2.900 Liter Abwasser im Jahr an. Eine abflusslose Sammelgrube müsste dafür etwa dreimal jährlich abgefahren werden, was bei 180 bis 300 Euro je Abfuhr rund 700 Euro im Jahr kostet. Eine Trockentrenntoilette am selben Standort kommt ohne Abfuhr aus.
Die Rechnung zeigt, warum die Diskussion über Gruben bei kleinen Gartenflächen meist an der falschen Stelle geführt wird.
Welche Alternativen zur Sickergrube gibt es im Garten?
Für Gartengrundstücke ohne Kanalanschluss kommen Trockentrenntoilette, Komposttoilette und Verbrennungstoilette infrage, weil keine davon Abwasser erzeugt. Wo eine Spültoilette gewünscht ist, bleiben nur eine abflusslose Sammelgrube oder eine Kleinkläranlage.
Der entscheidende Unterschied liegt im Wasser. Sobald gespült wird, entsteht Abwasser, und Abwasser unterliegt der Beseitigungspflicht. Trockensysteme erzeugen stattdessen zwei getrennte Stoffströme, die abfallrechtlich behandelt werden und damit außerhalb des Abwasserrechts liegen. Welche Bauart zu welchem Gartenhaus passt, ist in der Übersicht der Toilettensysteme ohne Kanalanschluss im Einzelnen aufgeschlüsselt.
Für Kleingärten gilt zusätzlich das Vereinsrecht. Rahmenkleingartenordnungen schließen Spültoiletten fast durchgängig aus, was die Auswahl weiter einengt und in den Regeln für Toiletten im Schrebergarten ausführlich behandelt wird.
Steht die Entscheidung für eine Nachrüstung, folgt die Frage nach dem Rückbau der alten Anlage.
Wie wird eine alte Sickergrube stillgelegt?
Eine stillgelegte Sickergrube wird vollständig entleert, gereinigt und anschließend entweder ausgebaut oder mit verdichtungsfähigem Material verfüllt. Die Entleerung übernimmt ein zugelassenes Entsorgungsunternehmen, den Nachweis darüber verlangt die Untere Wasserbehörde.
Der Ablauf umfasst vier Schritte, die in dieser Reihenfolge dokumentiert werden sollten:
- Entleerung und Reinigung: Fachbetrieb beauftragen, Entsorgungsnachweis mit Menge und Datum aufbewahren.
- Prüfung des Umfelds: Bei sichtbarer Belastung des Bodens entscheidet die Behörde über eine Bodenuntersuchung.
- Rückbau oder Verfüllung: Abdeckplatte entfernen, Schacht verfüllen oder die Grube ausheben und entsorgen.
- Anzeige an die Behörde: Stilllegung mit Nachweisen melden, damit die Anlage aus dem Kataster genommen wird.
Die Kosten für eine kleine Grube liegen zusammen bei rund 1.500 bis 3.500 Euro, abhängig von Zugänglichkeit und Aushubmenge. Deutlich teurer wird es nur, wenn belasteter Boden ausgetauscht werden muss.
Wer die Stilllegung von sich aus anzeigt, verhandelt im Regelfall über Fristen, und diese Fristen entscheiden darüber, wie teuer die Nachrüstung insgesamt wird.
Was kostet die Umstellung auf eine zulässige Lösung?
Die Umstellung von einer Sickergrube auf ein zulässiges System kostet zwischen 800 und 12.000 Euro, abhängig vom gewählten Verfahren. Eine Trockentrenntoilette liegt am unteren Ende, eine Kleinkläranlage mit biologischer Reinigungsstufe am oberen.
| Lösung | Einmalkosten | Laufende Kosten im Jahr | Genehmigung |
|---|---|---|---|
| Trockentrenntoilette | 500 bis 1.200 Euro | 60 bis 100 Euro Einstreu | keine |
| Verbrennungstoilette | 3.500 bis 7.000 Euro | 120 bis 200 Euro Energie | keine, aber Stromanschluss |
| Abflusslose Sammelgrube | 4.000 bis 9.000 Euro | 300 bis 900 Euro Abfuhr | Gestattung der Gemeinde |
| Kleinkläranlage | 6.000 bis 12.000 Euro | 150 bis 300 Euro Wartung | wasserrechtliche Erlaubnis |
| Anschluss an den Kanal | 3.000 bis 10.000 Euro Anschlussbeitrag | Abwassergebühr nach Frischwasser | Antrag bei der Gemeinde |
Die Entscheidung hängt weniger am Preis als an der Nutzung. Ein Gartengrundstück mit Wochenendnutzung rechtfertigt keine Kleinkläranlage, ein dauerhaft bewohntes Haus ohne Kanalanschluss dagegen sehr wohl.
Fördermittel gibt es in einigen Bundesländern für Kleinkläranlagen im Außenbereich, meist über die Landkreise und gedeckelt auf wenige Tausend Euro. Fragen Sie beim Landratsamt nach, bevor der Auftrag vergeben wird, weil eine Förderung nach Baubeginn regelmäßig entfällt.
Wie die zulässigen Trockensysteme im Einzelnen arbeiten, ist an anderer Stelle beschrieben, offen bleibt hier die Frage nach den Folgen für das Grundstück selbst.
Welche Folgen hat eine Sickergrube für Boden und Grundwasser?
Aus einer Sickergrube gelangen Nitrat, Phosphat, Arzneimittelrückstände und Krankheitserreger ungefiltert in den Untergrund. In durchlässigen Sandböden erreichen Nitrateinträge das Grundwasser binnen weniger Wochen, in bindigen Lehmböden dauert es länger, verhindert wird es nicht.
Der kritische Parameter ist der Grundwasserflurabstand, also die Tiefe bis zum Grundwasserspiegel. Liegt er unter zwei Metern, gilt eine Versickerung selbst für gereinigtes Abwasser als kritisch, für ungereinigtes ist sie ausgeschlossen.
Für den Eigentümer hat das eine zweite Dimension. Eine belastete Fläche gilt als Altlastverdachtsfläche und wird im Altlastenkataster geführt, was beim Verkauf offengelegt werden muss und den Wert des Grundstücks messbar drückt.
Lassen Sie bei einer über Jahrzehnte betriebenen Grube eine Bodenprobe nehmen, bevor Sie verfüllen. Die Untersuchung kostet 200 bis 500 Euro und schafft Klarheit darüber, ob es bei der Stilllegung bleibt oder ob ein Bodenaustausch nötig wird.